Eine Reise ins Zwergenland
Das kleine Mädchen schaute ungläubig auf ihre Uhr, die sie von ihrer Großmutter zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte. Sie war so stolz auf diese schöne Uhr.
Das konnte es doch nicht geben! Sie rieb sich fest ihre Augen und wagte noch einmal einen Blick auf das Ziffernblatt. Da war es wieder.
Großmutter hatte die Uhr im „Zwergenland“ gekauft. Das ist eine wunderschöne „Stadt der Zwerge“ in Deutschland. Oma hatte ganz geheimnisvoll gelächelt als sie zu Weihnachten zu Marita sagte: „Mein kleines Zwergerl, pass gut auf diese Uhr auf, denn das ist ein besonderes Stück. Du wirst sehen, sie zeigt dir Geheimnisse!“
Marita betrachtet gebannt die kleine Uhr. Wirklich, da auf dem Ziffernblatt bewegte sich ein kleiner Zwerg auf und ab. Er winkte Marita sogar zu, so als ob er sagen wollte: „Komm mit mir, ich zeige dir etwas!“
Marita konnte es nicht glauben! Sie setzte sich auf ihr Bett und betrachtete den kleinen Zwerg. Da hörte Marita plötzlich das Zwergerl sagen: „Komm, geh mit mir! Möchtest du? Komm, ich zeige dir unser Land! Es ist ein Land, in dem lauter Zwerge wohnen. Komm!“
Marita lachte. Ja, das wollte sie. Sie wollte in das Zwergenland!
Plötzlich machte es einen Knall. Marita schloss vor lauter Schreck die Augen. Alles purzelte durcheinander in Maritas kleinem Kopf. Als sie die Augen wieder öffnete, sah sie eine wunderschöne Blumenwiese.
Es flatterten viele Schmetterlinge und bunte Vögel da. Bienen summten und ab und zu zirpten Grillen. Auch hörte Marita Stimmen. Sie sah winzig kleine Häuser, die aussahen wie Omas Lebkuchenhäuser, die sie jedes Jahr zu Weihnachten für ihre Kinder machte. Und auf einmal sah sie etwas Besonderes. Da, es waren wirkliche, lebende Zwerge!
Ein Zwerg trug Holz auf seinen Schultern, einer hatte einen riesigen Topf auf dem Kopf und rief ständig: „Essen kommen, meine lieben Freunde!“. Ja, und da sah sie sogar eine Zwergenmama! Sie trug ein Zwergenbaby auf dem Arm! Aber das Baby war so klein, dass man es kaum sah. Es war nicht größer als ein kleiner Vogel. Das gab es doch nicht. War das aber süß! Marita wollte schon laut rufen, aber plötzlich spürte sie etwas an ihrem Ohr zwicken. „Du musst dich leise verhalten! Die Zwerge dürfen dich nicht sehen. Das würde sie zu Tode erschrecken und es könnte sogar für sie gefährlich werden. Du bist unsichtbar. Meine Freunde können dich nicht sehen, aber du kannst alles sehen!“ „Wer bist du?“ flüsterte Marita. „Ich bin dein Uhrenzwergerl! Vertraue mir. Ich werde dir sagen, wohin wir gehen!“
„Jetzt rechts. Nein, jetzt über die Brücke! Zieh den Kopf ein! Du musst jetzt auf Zehenspitzen gehen, denn hier wohnt der Wachmann der Zwerge. Leise!“
So befolgte Marita alle Ratschläge von Schwippsi. So hieß ihr Uhrenzwerg.
„Oh! Ach, ist das aber lieb! So etwas habe ich noch nie in meinem Leben gesehen! Das muss ich doch Oma erzählen!“
Marita war beeindruckt! Sie sah Zwergenkinder beim Spielen zu. Es sah so aus, als würden kleine Mäuse herum toben. Aber es waren lauter kleine, winzige Zwergenkinder. Es war unglaublich. Marita sah auch Zwergenmütter beim Kuchenbacken zu und sie belauschte ein kleines Zwergenpärchen bei ihrem Gespräch! Am liebsten hätte sie laut gelacht. Aber da packte sie Schwippsi schon wieder am Ohr und Marita musste weitergehen.
Plötzlich war ein tobender Fluss zu sehen. Marita bekam Angst und zitterte am ganzen Körper. „Wie kommen wir da nur vorbei? fragte sie ihren kleinen Begleiter besorgt. „Keine Angst! Steig in den Fluss!“ „Aber das kann ich nicht. Das will ich nicht. Das geht einfach nicht“ jammerte Marita. „Du musst hinein steigen, sonst wirst du nicht mehr aus der Zwergenstadt heraus kommen. Du musst! Hinein mit dir!“ „Au,au, sch, das ist kalt! Hiiiilfe……“ Marita ging unter. Wieder purzelte alles in ihrem Kopf durcheinander.
Doch plötzlich saß sie auf ihrem Bett, zuhause in ihrem Zimmer. Sie rieb sich die Augen und starrte auf ihre Uhr. Der kleine Zwerg Schwippsi lächelte durch das Uhrenglas.
„Habe ich jetzt geträumt? Nein, das kann doch nicht sein! Ich habe die Zwergenstadt erlebt!“ Marita sprang vom Bett herunter und lief in Großmutters kleines Zimmer. „Oma, du wirst nicht glauben, was ich erlebt habe! Da war ein ganz kleiner Zwerg. Er war nur so groß wie deine Hand Oma! Die Zwerge machen alles so wie wir! Stell dir vor…....“ Die Worte und Sätze von Marita kamen wie aus einem explodierenden Topf heraus. Großmutter lächelte vor sich hin und hörte sich in Ruhe alle Geschichten ihrer kleinen Enkeltochter Marita an. Dann legte sie den Arm um ihre Schulter und sagte verschmitzt: „Marita, ich habe dir ja gesagt, diese Uhr ist eine ganz besondere Uhr!“
Noch lange erzählte Marita ihrer Oma die Erlebnisse aus der Zwergenstadt. Bis sie schließlich ganz erschöpft einschlief und im Traum mit der Zwergenmutter Lilli einen wunderschönen Schokoladekuchen machte.
